Karlsruhe Kaiserstraße

  • Der neue Straßenbelag wird von Anliegern und Fußgängern gleichermaßen akzeptiert.

  • Die Gleistragplatten, die mit Hilfe der NOEplast-Matrizen hergestellt wurden, stellen eine vollkommene Verbindung von Schiene und Straße dar.

  • Die einzelnen Gleistragplatten wurden aneinander gelegt. Auf eine Plattenkopplung oder zusätzliche Verbindung untereinander wurde verzichtet.

  • Die Gleistragplatten der Kaiserstraße in Karlsruhe sind eine gelungene Symbiose aus Ästhetik und Beton.

  • Mit Hilfe der Matrizen von NOE-Schaltechnik konnte eine dauerhafte Lösung für die belebte Flaniermeile geschaffen werden.

Dauerhafte Übergangslösung

Städtebaulich ästhetische Gleistragplatte

Not macht bekanntlich erfinderisch. Entsprechend diesem Motto lösten die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) ein Problem, das schon lange ihre Kassen belastete. Gemeinsam mit einem Bahnsystem-Anbieter, einem Betonfertigteilwerk und NOE-Schaltechnik aus Süssen entwickelten sie Gleistragplatten für den Straßenbahnverkehr mit hohem funktionalen und ästhetischen Anspruch.

Die Kaiserstraße ist die Hauptgeschäftsstraße von Karlsruhe. Überdies ist sie eine der am meisten von Straßenbahnen befahrenen Fußgängerzone Deutschlands. Täglich rattern mehr als hundert Waggons über den Belag, bremsen, halten und fahren an. Eine Belastung, die ein gewöhnlicher Straßenbahnunterbau mit Pflastersteinbelag auf die Dauer nicht schadlos übersteht. Die Folge: Er sinkt ab, Bodenwellen bilden sich. Eine Tatsache, die den VBK schon seit Jahren Kopfzerbrechen bereitete. Mindestens zweimal jährlich musste der Straßenbelag ausgebessert werden - Tendenz steigend. Aus diesem Grund suchte die Bauabteilung nach einer Lösung. Dabei musste sie allerdings die Wünsche fünf unterschiedlicher Interessensgruppen berücksichtigen: Erstens ist die Kaiserstraße die Flaniermeile der Stadt. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss, dem touristischen Anziehungspunkt der ehemaligen Residenzmetropole. Infolgedessen muss der neue Belag einen hohen ästhetischen Anspruch erfüllen. Zweitens befinden sich zahlreiche Ladengeschäfte entlang der Straße. Um nicht den Protest des Einzelhandels heraufzubeschwören, strebten die Verkehrsbetriebe kurze Bauzeiten an. Drittens wird die 1100 m lange Fußgängerzone von zahlreichen Häusern mit Wohnungen, Arztpraxen und Büros flankiert. Somit ist eine geringe Lärmbelästigung durch den Straßenbahnverkehr wichtig. Viertens wird ein Großteil des öffentlichen Verkehrs über die Kaiserstraße geleitet. Um zu vermeiden, dass das öffentliche Transportsystem unnötig behindert wird, müssen die Bauarbeiten abschnittsweise vorgenommen werden. Und zu guter Letzt plant die Stadt, bis 2020 den kompletten Schienenverkehr der Kaiserstraße unterirdisch zu führen. Das bedeutet, dass diese bauliche Lösung von Anfang an nur ein Provisorium ist. Nach der Fertigstellung des Tunnels werden die Gleistragplatten demontiert und an anderen Stellen wieder eingebaut.

Pioniergeist

In Anbetracht dieser vielen Gesichtspunkte fanden die Verkehrsbetriebe eine optimale Lösung: Vorgefertigte Gleistragplatten mit einer strukturierten Oberfläche, in der das Schienensystem integriert ist. Auf den ersten Blick gleichen die Betonelemente einer Fläche, die mit Granitpflastersteinen belegt ist. Sie ermöglichen eine kurze Bauzeit und dienen in der Kaiserstraße bis zur Fertigstellung des Tunnels als Straßenbelag. Anschließend werden die ca. drei Meter breiten, vier Meter langen und 40 cm dicken Platten demontiert und an anderen Stellen der Stadt, z.B. in der querverlaufenden Karlstraße, wieder eingesetzt. Die Idee hierzu hatten die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Karlsruhe. Sie entwickelten zusammen mit den Spezialisten der NOE-Schaltechnik eine Schalungsmatrize, die es ermöglicht, Gleistragplatten mit der Optik eines Granitpflastersteinbelags zu fertigen. Uwe Konrath, Leiter der Bauabteilung VBK sagt: „Uns ist wichtig, dass mit Hilfe der Matrize Betonplatten gefertigt werden, die sich an den bestehenden Straßenbelag anpassen. Hierfür sandten wir Proben unseres Granitpflasters und einen Verlegeplan an die Firma NOE. Diese fertigte Kunststoffmatten nach unseren Wünschen an.“ Neben einem großen Sortiment an Standardstrukturen bietet NOE-Schaltechnik dem Planer die Möglichkeit, Matrizen mit individueller Gestaltung zu verwirklichen. Das Unternehmen steht seinen Kunden dabei mit Fachwissen und hilfreichen Informationen zur Seite.

Herstellungsverfahren

Die Gleistragplatten der Verkehrsbetriebe Karlsruhe wurden im Betonwerk Stelcon, Germersheim, hergestellt. Hierbei wurden die Matrizen mit der strukturierten Fläche nach oben in die Schalung geklebt und mit Spezialbeton entsprechender Konsistenz betoniert. Nachdem die Platte ausreichend verdichtet und erhärtet war, wurde die Form gründlich gesäubert und die Schalung mit der fest verklebten Matrize für eine neue Betonage vorbereitet. NOE-Schaltechnik liefert jedoch nicht nur die Matrizen: Vom Kleber, mit dessen Hilfe die Kunststoffmatten in der Schalung fixiert werden, bis hin zum Trennmittel, das es ermöglicht, den Beton von den Matrizen zu lösen, bietet der Hersteller das gesamte Zubehör. Eine Tatsache, die vor allem von ausführenden Unternehmen geschätzt wird. Heiner Pohl, Geschäftsführer von Stelcon, sagt hierzu: „Um strukturierten Beton herzustellen, ist entsprechendes Know-how notwendig und alle Produktionsvoraussetzungen sind optimal darauf anzupassen. Bei dem Unternehmen aus Süssen ist alles perfekt aufeinander abgestimmt.“

Systemkopien

Die Platten werden derzeit in drei Bauabschnitten eingebracht. Baufertigstellung ist voraussichtlich im Jahr 2009. Seit die ersten Platten im Jahr 2007 eingebaut wurden, ist die Resonanz durchweg positiv. Die Bevölkerung akzeptiert den Bodenbelag, der angrenzende Einzelhandel lobt die kurze Bauzeit und die VBK spart das Geld der regelmäßigen Reparaturarbeiten. Doch damit nicht genug. Der positive Ruf der Platten geht weit über die Stadtgrenzen von Karlsruhe hinaus. Andere Städte haben schon Ihr Interesse an diesem System der strukturierten Gleistragplatten bekundet und denken darüber nach, diese Idee aufzugreifen. Dank der guten Kooperation der VBK, Stelcon und NOE-Schaltechnik ist eine innovative Lösung gelungen, die sich auch in anderen Städten rasch realisiert wird.

Bautafel

  • Bauherr:
    Verkehrsbetriebe Karlsruhe, 76313 Karlsruhe
  • Betonwerk:
    BTE Stelcon Deutschland GmbH, 76726 Germersheim
  • Bahnsystem-Anbieter:
    edilon-sedra, 80689 München