Minima Maxima

  • Minima, Maxima – in Beton verewigt. Die einzelnen Lettern wurden, nachdem alle erforderlichen Elemente hergestellt waren nachexakten Vorgaben der Architekten in die NOEplast Schalungsmatrizen eingeschnitten.

  • Konkrete Vorstellungen hatten die Architekten wie der Sichtbeton aussehen sollte. Neben einer feinen Plastizität sollte der Beton eine samtene Oberfläche erhalten.

  • Strukturierter Sichtbeton dessen Oberfläche an Passepartouts und Bilderrahmen erinnert soll auf subtile Weise die Funktion des Gebäudes widerspiegeln.

  • Für den Südflügel des Angermuseums ist eine neue Nutzung vorgesehen. Diese macht es notwendig, die Öffnungsstruktur des Südflügels zu ändern.

  • Strukturierter Sichtbeton dessen Oberfläche an Passepartouts und Bilderrahmen erinnert soll auf subtile Weise die Funktion des Gebäudes widerspiegeln.

Im Kleinen sei das Große

Mit NOEplast Schalungsmatrizen ge­stapelte Passepartouts und Bilderrahmen in Beton nachgeahmt

Historische Gebäudeformen und Sichtbeton zu kombinieren, erscheint auf den ersten Blick sehr gewagt. Die Architekten des Büros Worschech, Erfurt, bewiesen jedoch, wie gut sich der zementgebundene Baustoff in ein altehrwürdiges Ensemble integrieren lässt. Für das Erfurter Angermuseum ließen sie mit Hilfe von NOEplast Schalungsmatrizen der NOE-Schal­technik, Süssen, eine Sichtbetonwand anfertigen, deren Gestaltung die Funktion des Gebäudes auf subtile Weise widerspiegelt.

Ursprünglich war das Angermuseum ein Waage- und Kaufhaus, das die Mainzer Statthalter zur Belebung der Erfurter Wirtschaft Anfang des 18. Jahrhunderts errichten ließen. Das historisch bedeutende Bauwerk der Erfurter Altstadt erlebte eine wechselvolle Nutzungsgeschichte, bevor es sich Ende des 19. Jahrhunderts zum bürgerlichen Kunstmuseum entwickelte. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die Exponate nicht so gut aufbewahrt und präsentiert werden konnten, wie es erforderlich gewesen wäre. Darüber hinaus machten statische Probleme, mangelnder Brandschutz, die von Schwamm befallene Bausubstanz und die veraltete Gebäudetechnik eine Generalsanierung dringend notwendig. Beim Umbau legten die Architekten besonderen Wert darauf, historische Elemente aus der Entstehungszeit frei zu legen und deren Wirkung mit modernen Ergänzungen zu kombinieren.

Ungewöhnlicher Wandaufbau

Das Erfurter Angermuseum zeichnet sich durch einen Innenhof aus, um den sich Baukörper gruppieren, die einst unterschiedliche Aufgaben erfüllten. Der Südflügel des Gebäudekomplexes war früher ein Pferdeunterstand, der zum Innenhof hin offen war. Im Zuge einer Umbaumaßnahme wurde er 1999 mit einer Stahlbetonwand geschlossen. In sie waren drei große bogenförmige Fenster integriert. Heute werden in diesen Räumlichkeiten Grafiken, Zeichnungen und Kunstdrucke aufbewahrt, die möglichst vor Licht geschützt werden sollten. Aus diesem Grund war es notwendig die Öffnungsstruktur zu ändern. Nach einigen Experimenten mit unterschiedlichen Baumaterialien entschieden sich die Planer für strukturierten Sichtbeton, dessen Oberfläche an gestapelte Passepartouts bzw. Bilderrahmen erinnern soll. Anfänglich hatten die Mitarbeiter des Büros Worschech geplant, die 33 m lange und 12 m hohe Wand vor Ort fertigen zu lassen. Doch schwierige Standortbedingungen führten dazu, dass die Planer zusammen mit dem ausführenden Bauunternehmen Ebert Bau Berga GmbH & Co sowie mit dem Betonwerk Hoffmann Beton GmbH, Gera, eine Alternativlösung suchten. Man entschied sich einen unkonventionellen, mehrschichtigen Wandaufbau aus einer zusätz­lichen Dämmschicht, einer Ortbetonschicht und vorgefertigten Betonplatten, die als Filigranelemente ausgebildet waren. Sie wurden vom Bauunternehmen Ebert Bau aufeinander stehend an der vorhandenen Wand justiert und rückverankert. Da die Sichtbetonelemente im Fertigteilwerk erstellt wurden, waren gute Voraussetzungen für eine hochwertige Oberflächenqualität gegeben.

Strukturierter Beton mit NOEplast

Die Architekten hatten sehr konkrete Vorstellungen darüber, wie der fertige Sichtbeton aussehen sollte. Neben der feinen Plastizität, die den gewünschten Stapeleffekt vermittelt, musste der Beton eine samtene Oberfläche erhalten. Um den Eindruck von Papierstapeln zu erreichen, war es wichtig, dass keine Betonplatte der anderen glich. Aus diesem Grund wurden die Platten zum Teil um 180 Grad gedreht montiert, wodurch sich die Zahl der möglichen Elementkombinationen erheblich erhöhte.

Enge Zusammenarbeit

Beim Entwurf der Schalungsmatrizen arbeiteten die Planer eng mit dem NOE-Schaltechnik zusammen. Hierfür ließen sie bei einer Erfurter Kunsttischlerei ein Holzmodell in den Originalabmessungen herstellen. Es diente dem Süssener Matrizenhersteller als Grundlage für die Anfertigung von drei unterschiedlichen Polyurethanmatten mit unterschiedlichen Breiten. Manuela Schleinitz, eine der beiden beteiligten Projektleiter des Umbaus, sagt hierzu: „NOE-Schaltechnik ging sehr gut auf unsere Wünsche ein und fertigte die Matrizen individuell nach den gegebenen Vorlagen.“ Zur Herstellung der Sichtbetonelemente klebten die Mitarbeiter des Fertigteilwerks Hoffmann Beton GmbH die Matrizen mit der strukturierten Fläche nach oben in eine Schalung, behandelten sie mit Trennmittel und füllten den Beton ein. NOE-Schaltechnik bietet dazu ein spezielles Trennmittel an, das die Oberfläche der Matrizen schont und gewährleistet, dass sich der Beton einwandfrei löst. Dies ist bei den Sichtbetonflächen, die mit Hilfe von Schalungsmatrizen hergestellt werden, zwingend notwendig, um eine einwandfreie Oberfläche und präzise Kanten zu ermöglichen. Nachdem die Kunststoffform vom Beton gelöst wurde, muss der Verarbeiter sie nur noch reinigen, und fertig ist sie für einen neuen Einsatz. Je nachdem wie gut die Matrize ge­pflegt wird, kann die NOEplast Schalungsmatrize bis zu 100 Mal verwendet werden. Das Glasfaser Trägergewebe macht sie besonders widerstandsfähig gegen die mechanischen Belastungen des Baualltags.

In Beton verewigt

Die Architekten hatten sich beim Angermuseum noch eine weitere Raffinesse einfallen lassen. Nachdem alle erforderlichen Betonelemente hergestellt waren, modifizierten sie die Platten, indem sie einzelne Lettern ausschneiden ließen. So konnten die Worte „Minima Maxima“ im Beton verewigt werden. Sie sagen aus, dass im Kleinen das Große sei. Eine Wahrheit, die auch auf Schalungsmatrizen zutrifft: Da der Verarbeiter die Matrize mehrfach verwenden kann, ist es möglich, mit einer einzigen Kunststoffmatte mehrere hundert Quadratmeter strukturierten Beton zu fertigen.

Bautafel:

  • Bauherr:
    Landeshauptstadt Erfurt, 99084 Erfurt
  • Architekt:
    WPA Worschech Partner Architekten, 99084 Erfurt
  • Generalunternehmer:
    Ebert Bau Berga GmbH & Co. KG, 07980 Berga/Elster
  • Betonwerk:
    Hoffmann Beton GmbH, 07552 Gera